2008

Im Frühjahr begannen DM damit, Sounds of the Universe (SOTU) aufzunehmen.
Erneut nahmen sie in drei verschiedenen Städten auf - Santa Barbara, New York und London. Wieder arbeiteten sie mit Ben Hillier als Produzenten zusammen - "Wir fanden, dass die Zusammenarbeit mit ihm bei Playing the Angel gut gewesen war", sagt Fletch, "wir fühlten uns sehr wohl mit ihm"[1] - und wieder schrieben sowohl Martin als auch Dave Songs. Wieder würden sie sagen, dass die Atmosphäre "freundlich und entspannt" gewesen sei und sie eine Menge Spaß im Studio gehabt hätten. Erneut war dies das Hauptthema in den Medien. Wenn man einen Artikel gelesen hatte, brauchte man keinen anderen mehr lesen. (Ich habe es aber natürlich dennoch gemacht. ;))

Fletch: "Dave war in einer seltsamen Position. Es ist selten, dass ein Frontmann keine Songs schreibt, aber nun hat er Songs für die letzten beiden Alben geschrieben, und er fühlt sich mehr als Teil der Band.[2] Dass Dave ebenfalls Songs schreibt, hat ihn näher an die Gruppe gebracht. Er ist jetzt wesentlich selbstbewusster und erfüllter. Das ist einer der Hauptgründe, warum die Band so gut miteinander auskommt. Daves Songwriting verbessert sich auch ständig. Weißt du, manchmal ist es sogar schwierig, Daves und Martins Songs auseinanderzuhalten."[3]
Martin: "Dieses Mal bin ich den Songwriting-Prozess anders angegangen. Das meiste habe ich auf dem Laptop gemacht. Das geht so viel schneller. Ich denke, das ist der Grund, warum ich dieses Mal so viele Songs geschrieben habe. Ich denke, ich habe 18 oder 20 Songs geschrieben. Mit Daves Songs hatten wir dann 22 Songs, von denen wir 18 aufgenommen haben."[4]



Dave

(mit freundlicher Genehmigung von © Depeche Gurl (DMMB))



Es gab nur ein paar echte Neuerungen bzw. neue Themen. Eines davon war, dass Martin aufgehört hatte, zu trinken - ein Thema, das man in nahezu jedem Artikel in dieser Zeit finden konnte. Zumal es interessanter zu sein schien, als "gut miteinander auszukommen", wenngleich Martin das Trinken zu diesem Zeitpunkt bereits vor drei Jahren, während Touring the Angel, aufgegeben hatte.
Dave: "Er ist ein total veränderter Mann. Es gibt da eine andere Seite von Martin, die schon immer da war, aber manchmal war sie verschleiert, weil der Alkohol oft wichtiger war als alles andere. Ich denke, es gab so eine Phase während der letzten Tour, in der Martin plötzlich meinte: 'Weißt du was? Ich muss damit aufhören.'"[5]
Martin: "Es war einfach eine Entscheidung, die ich getroffen hatte. Ich bin nicht zu den Anonymen Alkoholikern gegangen oder so. Ich fand heraus, dass ich mit meiner Zeit auch etwas anderes anfangen kann. Das Trinken gehörte einfach dazu, wenn man in einer Band ist. Man wird sozusagen dazu angehalten, ständig betrunken zu sein, wenn man in einer Band ist. Die Leute sind enttäuscht, wenn man es nicht ist!" (lacht) "Da ist immer irgendwer irgendwo, der dir irgendwas andrehen will.[6] Ich denke, ich bin jetzt mehr spirituell verbunden. Mehr ein Teil des Universums, was aber kein Wortspiel sein soll. Ich fühle mich mehr mit meinen Emotionen verbunden. Man muss allerdings sehr aufpassen, wenn man gleichzeitig von Spiritualität und vom Trinken aufgeben redet. Man fängt an, heiliger zu klingen, als man ist. Das ist das Letzte, was ich will: wie ein New-Age-Guru rüberkommen." (lacht)[7]
Nun ist nur noch Fletch übrig, der ab und zu gern einen Drink nimmt: "Ich habe es reduziert, aber ..."
Dave: "Er steht unter Druck."
Fletch mag es offenbar nicht, unter Druck gesetzt zu werden: "Die Dinge, die gerade passieren, verbessern die Atmosphäre. Also sind sie gut."[8]

Das zweite "große" neue Thema war, dass Martin das Trinken gegen einen neuen Fetisch eingetauscht hatte: Auf eBay Tonnen von alten analogen Synthesizern und anderen Kram ersteigern. Obwohl er dabei unter seinem richtigen Namen bot, wurde dies nur von wenigen Leuten kommentiert - und es machte noch nicht mal die Runde im Netz.
Dave: "Praktisch jeden Tag kam etwas Neues an. Drum machines, Synthesizers, Sequenzer. Als wir anfingen, aufzunehmen, war es ein riesiger Spaß, jedes dieser neuen Geräte genau unter die Lupe zu nehmen und auszuprobieren, wie es klang." Aber es gab auch "viel Performance. Martin hat jeden Tag Gitarre gespielt, und ich habe gesungen."[9]
Fletch: "Es war eine Inspiration. Ich denke, dieses Album ist ein sehr elektronisches Album. Es gibt natürlich Gitarren darauf, aber es ist viel elektronischer als Playing the Angel."[10]
Sie wehrten sich gegen das Vorurteil, dieses Album sei "retro". Für Martin war es so etwas wie "gestrige Zukunft". "Ich fing an, diese alten, analogen Synthesizer zu kaufen, und die Sounds, die sie produzierten, erzeugten geistige Bilder vom Universum und von Weltraumreisen. So kamen wir auch auf den Albumtitel."[11]

Später wurde deutlich, dass die Band - oder zumindest Dave - nicht rundum mit SOTU und der Art, wie das Album aufgenommen worden war, zufrieden war. "SOTU war etwas zu viel Produktion, zu glatt, zu viel passiert darauf. Man kann gute Musik nicht erzwingen. So ist das mit Depeche Mode, die Alben werden eben so, wie sie werden, und nicht so, wie sie geplant wurden."[12] Trotzdem strahlt das Album "Weite aus, es ist sehr filmisch, und ich denke, es war eine Art Kombination dieser beiden Elemente. Es ist auch sehr energisch, sehr direkt und hat dennoch ein paar träumerische Momente."[13]
Vielleicht war dies einer der Gründe, warum sie später nur wenige dieser Songs live spielten, denn es war offenbar schwierig, die Studioversionen in Liveversionen zu transponieren.






Quellenangaben:
[1] Entnommen aus: Catching Up With ... Depeche Mode's Andrew Fletcher, Paste, 07.05.2009. Autor: Grant Shellen.
[2] Entnommen aus: Masters Of Their Universe, The Times, 03.05.2009. Autor: unbekannt.
[3] Entnommen aus: Artikel auf depechemode.com, 23.01.2009. Autor: Daniel Barassi.
[4] Entnommen aus: Depeche Mode Interviewed: Universal Truths And Sounds, The Quietus, 20.04.2009. Autor: John Doran.
[5] Entnommen aus: Artikel auf CNN.com, 12.05.2009. Autor: Denise Quan.
[6] Entnommen aus: Depeche Mode Interviewed: Universal Truths And Sounds, The Quietus, 20.04.2009. Autor: John Doran.
[7] Entnommen aus: Depeche Mode in Mature Mode, Los Angeles Times, 28.03.2009. Autor: Chris Lee.
[8] Entnommen aus: Artikel auf CNN.com, 12.05.2009. Autor: Denise Quan.
[9] Entnommen aus: Depeche Mode Interviewed: Universal Truths And Sounds, The Quietus, 20.04.2009. Autor: John Doran.
[10] Entnommen aus: Artikel auf depechemode.com, 23.01.2009. Artikel: Daniel Barassi.
[11] Entnommen aus: They just can't get enough: One-time synthesiser sissies Depeche Mode are back on song, Mail Online, 03.04.2009. Autor: Adrian Thrills.
[12] Entnommen aus: Sanger på tro og ære, dagsavisen.no, Mai 2012. Autor: Geir Rakvaag.
[13] Entnommen aus: Depeche Mode Q & A: Dave Gahan Talks 'Delta Machine,' Massive Tour Plans, Billboard.com, 08.03.2013. Autor: Jason Lipshutz.



Biografiefaden: 2009

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